Hoch Bitte. Fertig. Los!

Wir sind ein pflichtschlagender Bund. Von unseren Bundesbrüdern verlangen wir,  dass sie drei "Bestimmungsmensuren" schlagen. Eine Mensur ist ein Zweikampf unter Verbindungsstudenten mit scharfen Hiebwaffen.  Auf dieser Seite erklären wir woher die Mensur kommt, wie sie heute in Hamburg abläuft und warum wir sie für wichtig halten. Dabei ist uns klar, dass nur wer selbst gefochten hat begreifen kann, worum es wirklich geht.

Ein uraltes Privileg

Die heutige Mensur geht zurück auf das alt-verbriefte Recht der mittelalterlichen Studenten, Waffen zu führen und sich dazu im Fechten zu üben. Dieses Recht war ansonsten dem Adel und dem Militär vorbehalten. Es wurde den Studenten verliehen, weil diese sich auf ihren Wanderungen zu den frühen Universitäten in Norditalien und später Paris, Oxford, Prag und Heidelberg selbst schützen mussten. Später wurden (wie bei Adel und Militär) auch Ehrenhändel, das Fechten aus Rauflust und das formelle Duell zwecks Satisfaktion (Genugtuung) für das Studententum charakteristisch.

Über die Jahrhunderte entwickelte sich hieraus das studentische Fechten zu seiner heute ritualisierten Form, der Bestimmungsmensur.

Bei einer solchen Mensur wird die Besetzung der Partie zwischen verschiedenen studentischen Verbindungen aus freien Stücken ausgehandelt („bestimmt“), und zwar so, dass gleichwertige Kontrahenten aufeinandertreffen. Damit hat sich die Mensur vom früheren Duell gelöst. Ehrverletzungen spielen bei der Bestimmungsmensur keine Rolle.

Fechten heute in Hamburg

Wir fechten in Hamburg mit sogenannten Korbschlägern nach einem strengen Fechtreglement, dem Hamburger Waffenring-Comment. Die Fechter („Paukanten“) sind während der Mensur mit einer speziellen Schutzkleidung versehen. Augen, Nase und Ohren sind durch eine stählerne Paukbrille vor Verletzungen geschützt. Frei bleiben die Wangen und der Kopf.

Die Paukanten stehen sich im Abstand von einer Schlägerlänge gegenüber und beginnen auf das Kommando "... Hoch bitte!  ... Fertig! ... Los!" zu schlagen.

Die Mensur geht über dreißig Gänge mit jeweils fünf scharfen Hieben pro Paukant. Ein solcher Schlagabtausch endet mit dem "Halt!" der Sekundanten, die dem Paukanten zur Seite stehen. Sie schützen ihn vor Regelverstößen, prüfen ständig den Sitz seiner Schutzkleidung, sprechen ihm zu und geben taktische Hinweise.
Die Testanten desinfizieren zwischen den Gängen die Klingen, während der Schlepper den immer schwerer werdenden Arm des Paukanten stützt. Nach fünfzehn Gängen wird eine Pause eingelegt. Die Partie endet gewöhnlich nach dreißig Gängen mit dem Ehrengang.

Wird ein Paukant an Kopf oder Wange getroffen, entscheidet ein anwesender Arzt, ob die Verletzung eine Fortsetzung der Mensur gestattet - meist ist dies der Fall. Wenn nicht, wird die Partie abgebrochen. Ein "Schmiss" wird an Ort und Stelle ärztlich versorgt.

Während der Partie sind zahlreiche Bundesbrüder der jeweiligen Kontrahenten anwesend. In Erinnerung an ihre eigenen Mensuren fühlen sie mit, was ihr fechtender Bundesbruder gerade erlebt. Nach Ende der Partie sind sie es, die die Leistung ihres Paukanten bewerten. Wie waren Fechtstil und Technik, wie waren Haltung und Moral? Kommen die Bundesbrüder zu einem positiven Urteil, dann "zieht" die Partie als "genügend".

Was soll das?

Die Bereitschaft zur Mensur ist eine persönliche Entscheidung. Sie ist Ausdruck des Willens, sich einer körperlichen und geistigen Ausnahmesituation auszuliefern und sie beherrscht durchzustehen. Es geht um die Überwindung der Angst vor Verletzung. Diese Bereitschaft wird auch gestützt durch den Willen, seinen Bundesbrüdern zu zeigen, wie viel einem die Zugehörigkeit zur Verbindung wert ist.

Während man die Technik des Fechtens in täglichen Paukstunden lernen kann, sind Haltung und Moral in der Mensur Ausdruck von Charakter, Mut und Willensstärke.

Es ist unbedeutend, ob man sich nach der Partie als Gewinner oder Verlierer fühlt. Die Mensur kennt keinen Sieger - auch nicht die Verbindung. Gewonnen haben beide Paukanten, die sich selbst überwunden haben. Genau dazu haben sie sich zur Verfügung gestanden.

Das Erlebnis der Mensur verbindet uns Hammonen-Marko Natangen vom jüngsten Fuchs, der gerade seine erste Partie geschlagen hat, bis zum ältesten Alten Herren.

Links

Weitere Antworten auf Fragen zur Mensur finden sich in der Internet-Enzyklopädie WIKIPEDIA. Die wohl eindringlichste Beschreibung der Mensur, die man derzeit im WWW lesen kann, bietet das Buch "The Secret History of the Sword: Adventures in Ancient Martial Arts" des Waffenbruders J. Christoph Amberger, Corps Hannovera zu Göttingen.